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EVE Online

EVE als Idee

Nachdem ich nun wieder ein paar Tage spiele, hab ich mir natürlich auch das EVE-Subreddit in die Newsroutine aufgenommen. Und sehr schnell ist mir aufgefallen, wie wahnsinnig feindselig die dort postenden Nutzer CCP gegenüberstehen – es fühlt sich auf einer Stufe mit der Abneigung an, die sonst eher den Electronic Arts und Mobile Publishern dieser Welt entgegenschlägt.

Schon seltsam, wenn ich auf der anderen Seite vermute, das kaum ein Spiel die gleiche Bindung erzeugen kann wie EVE. Ich habe dazu natürlich keine Zahlen – aber EVE fühlt sich an wie eine Welt, die einen nicht mehr loslässt, WENN man denn einmal gefangen wurde. Das ist ein sehr großes „Wenn“, darüber mache ich mir keine falschen Vorstellungen. EVE ist unzugänglich und sperrig, die Tutorials trotz Überarbeitung immer noch nicht sehr hilfreich. Ohne externe Quellen und die Hilfe von erfahreneren Kapselpiloten findet vermutlich nur ein absoluter Bruchteil aller neuen Klone längere Motivation. Dennoch ist meine Karriere nicht selten, viele Spieler scheinen immer mal wieder nach New Eden zurückzukehren.

In dem Zusammenhang ist mir dann auch dieser Tweet von Neovenator über den Weg gelaufen, dem ich zustimme – mehr noch, der „This is EVE“ Trailer ist meiner Meinung nach sogar einer der besten Videospieltrailer aller Zeiten, Punkt. Denn genau das macht ja Spiele besonders – Interaktivität und die daraus entstehende „Agency“ (ich habe Selbstwirksamkeit als Übersetzung gefunden und benutze das ab jetzt): ich als Spieler beeinflusse meine Umwelt durch mein Handeln. Genau deshalb fallen viele „Storydriven Singleplayer Experiences“ für mich sehr schnell sehr flach – die Kulissenhaftigkeit ist nicht zu übersehen, sobald man ein wenig vom vordesignten Pfad abweicht. Die NPC-Kutsche in Red Dead Redemption 2 interessiert es kein Stück, das an ebenjener Kreuzung vor nicht einmal zwei Minuten eine andere NPC-Kutsche von mir brutal ausgeraubt wurde. Und damit fühlen sich meine Auswirkungen auf die Spielwelt nur noch sehr begrenzt und künstlich an.

Anderes Futter für diesen Post war die letzte Folge des Declarations of War Podcasts – interviewt wurde der Buhmann/Godking/Nerd „The Mittani“, CEO von Goonswarm. Er plaudert hier in seiner Persona über die Geschichte der Goons in EVE – klar, Propaganda sicherlich, aber unterhaltsam und erhellend. Immer wieder kommt er auf die Motivation der Reih-und-Glied-Mitglieder der Goons zurück und spricht von gewachsenen Emotionen und dem kulturellem Gedächtnis seiner Organisation. Große Worte für ein Videospiel – für mich aber nur ein weiteres Argument für die Besonderheit von EVE.

In ebenjenem Podcast wurde auch kurz über das Buch Empires of EVE gesprochen. Ich hatte es schon lange auf dem Radar und hab es mir nun endlich gekauft (die Kindle-Version ist für einen schmalen Taler zu haben). Bis jetzt habe ich zwar nur ca. die Hälfte geschafft, aber es ist kurzweilig und gut zu lesen – Daumen hoch, Empfehlung. Und zu jedem Zeitpunkt habe ich das Gefühl, das es ebenso gut ein Buch über Mitteleuropa im 17. Jahrhundert sein könnte (oder jeden anderen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte, in der Menschen in irgendeiner Form von Stämmen zusammenlebten), wenn da nicht die Raumschiffe wären.

Ich glaube, Geschichtsbücher und der Glauben an die Besonderheit von Spielen als Medium waren die Bausteine, die irgendwann vor 2003 die Schnappsidee EVE Online befeuert haben. Ich kann die isländischen Nerds förmlich vor mir sehen, wie sie mit leuchtenden Augen zusammen sitzen und dieses Spiel kopfgebären. „Ja, und Raumstationen..“ „Mit Hangars für die Corporations!!“ „Krieg erklären, jederzeit!“ Und ich beneide das CCP-Team keine Sekunde darum, aus dieser Vision ein Spiel mit Minute-to-Minute Gameplay heraussaugen zu müssen, das in irgendeiner Form funktioniert. Die Idee ist einfach und nachvollziehbar, daraus ein Spiel zu machen ein monumentales Unterfangen – Grüße gehen raus an Elite Dangerous und Star Citizen. Die Besonderheit von EVE ist und bleibt eben, das dieses Universum nur auf Geschichten wartet, die von uns Spielern geschrieben werden.

Und ich habe das Gefühl, das diese Besonderheit gerne untergeht. Die Auseinandersetzung mit Änderungen durch CCP und auch mit dem Spiel ganz allgemein kommt mir oft wahnsinnig mechanistisch vor – dabei ist und war es nie die reine Spielmechanik, die EVE besonders macht, sondern immer die Handlungen der Spieler. Wenn die Spieler sich mit ähnlicher Energie auf ihr persönliches Storytelling stürzen würden wie auf die nächsten Patchnotes, würde EVE vermutlich wieder wachsen.

Was will ich eigentlich sagen? Vermutlich irgendwas in Richtung von „Umarme deinen inneren Rollenspieler ab und an mal ein wenig“ und lös dich von Effizienzanalyse, ISK pro Stunde, optimalen Fits etc. Nicht schwarz und weiss, nie komplett – aber vielleicht ab und an. Entfessele deinen inneren Istvaan Shogaatsu. Ist EVE perfekt? Natürlich nicht. Macht CCP alles richtig? Ebenso wenig. Mit etwas Ruhe betrachtet ist die Idee von EVE aber noch genauso stark wie 2003.

8 Antworten auf „EVE als Idee“

Hi,

da kann ich nur zustimmen 😀 EVE fesselt auf seine eigene Art und der verschiedenste Umgang der Spieler miteinander.

Fly Clever

Sehr guter Artikel 😉 Eine Zusammenfassung von EVE und das obwohl es nicht möglich ist dieses Spiel auf eine Zusammenfassung zu reduzieren. Trotzdem ist dir das gelungen….

Danke für euer Feedback – freut mich sehr, das ich mit der Meinung nicht alleine dastehe.

Vielleicht ist EVE auch einfach zu „durchgespielt“ für sein eigenes Wohl? Alles ist irgendwie googlebar, nichts mehr selbst zu entdecken? Hmmm… EVE2 when?

Auch wenn es nicht um ISK/h geht, gibt es doch auch einfach Aktivitäten die man gerne macht und CCP hat in den leuten zwei Jahren nur eines gemacht, diese Aktivitäten weg genommen und nichts hinzugefügt. Da haben auch irgendwann Leute mit 10+ Jahre keine Lust mehr.
Das einzige neue Future jetzt in der „Age of Prosperty“ (Scarity 2.0) ist Mining Waste äh sry „Resedue“ und das nach min 6 Monate bis 2 Jahre Entwicklung.
So lange CCP nicht lernt das 2 Jahre lang nur Sachen zu nerfen nicht der weg ist Leute im Spiel zu halten, wird die schlachte Laune nur noch immer mehr werden.

Stimmt schon, das stelle ich mir extrem frustrierend vor. Und so richtig nachfühlen kann ich’s auch nicht, weil ich eben die letzten zwei Jahre EVE „gewonnen hatte“.

Ich würde mir nur etwas weniger Wut wünschen. Einerseits gibt es eben IMHO (!) nichts vergleichbares auf dem Markt. Und andererseits ist CCP auch in einer mehr als undankbaren Situation. EVE nur mit den Alteingesessenen weiter zu betreiben, kann nicht profitabel sein auf Dauer. Die Einstiegshürden für Neulinge so neu zu gestalten, dass die Absprungrate auf ein gesundes Maß sinkt, frisst aber genau die Entwicklungsressourcen, die sonst neue Features bauen könnten. Ich möchte echt mit keinem aus dem CCP-Team tauschen…

EVE Online is unlike any game I’ve ever played before. Sure, I have been disappointed by CCP from time to time over the years, and there’s a lot that could be improved.
However, look at this: https://zkillboard.com/kill/73313882/
The story behind this freighter kill is epic. There is only one game in the world where anything like this could happen. It’s possible that the absolute best way to enjoy EVE is to know someone who plays, and ask him/her for stories.

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