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WoW ist kein gutes Spiel

Vor ein paar Wochen war mal wieder Gildentreffen – klingt deutlich nerdiger, verschwitzter und Mountain Dew-getränkter als es ist. 

Damals, muss so gegen 2009ish gewesen sein, spielten ich und viele andere ja noch ernsthaft World of Warcraft. Und ich hatte das Glück, damals fantastische Menschen in einer Gilde kennenzulernen (Grüße an Panta Rhei auf Gilneas gehen raus). Und irgendwann begab es sich, das wir uns eben mal IRL treffen wollten – das Gildentreffen war geboren. Relativ in der Mitte von Deutschland, irgendwo im nirgendwo, fanden wir den Center Parc Medebach. Der war für alle Gildenmitglieder gleich beschissen zu erreichen und damit natürlich die beste Wahl. Und dort treffen/trafen wir uns seitdem jedes Jahr, bis jetzt nur unterbrochen durch eine kleine Pandemie. 

Keiner von uns spielt mehr WoW mit dem gleichen Ernst und Anspruch wie damals. Ich würde sogar sagen, nur noch eine Minderheit spielt es überhaupt. Aber jedes Jahr nach dem Gildentreffen flammt sie wieder auf, die Idee – wie wäre es, einfach nochmal 2009 zu machen. So also auch dieses Jahr. 

Flugs WoW installiert, Abo geklickt und los gehts. Natürlich dauert es immer erstmal ein paar Stündchen, bis man wieder angekommen ist. Die Tastenbelegung in einer frischen Installation ist völlig verhunzt, weil man natürlich beim letzten Mal mit Addons spielte und die jetzt erstmal nicht mehr hat. Die Fähigkeiten klingen erstmal sehr fremd, was genau war nochmal die Rotation des Kriegers und wo ist eigentlich Spalten hin? Inventar und Bank sind vollgerümpelt mit Items, die vor zwei Erweiterungen absolut wichtig, unter Blut und Tränen erfarmt und erstrebenswert waren, jetzt aber absolut keinen Nutzen mehr haben. Aber das wusste ich ja alles und das sind ja auch keine großen Hürden. 

Nachdem Interface gefixt, Rotation gelernt und Inventar aufgeräumt ist, kann es also losgehen. Und bei mir hat es diesmal ca. 3 Wochen gedauert, in denen ich zwei Charaktere auf das neue Maximallevel brachte und ein Dutzend oder so Instanzen spielte, bis die Erkenntnis ankam:

WoW ist echt ein schlechtes Spiel. 

Die Grafik ist altbacken. Das Questdesign ist langweilig. Das Minute-to-Minute-Gameplay ist stumpfe Routine. Das Gefühl, in einer anderen „World“ zu sein, schon lange nicht mehr da. Soziales Gefüge vor der Bank in Sturmwind gibts nicht mehr. Der bekannte Dorftrottel im Trade-Chat hat auch schon vor Jahren aufgehört. Die Story hat sich in einem Labyrinth aus Retcons, Sackgassen und hanebüchenen Gotcha-Momenten verheddert und ist eigentlich nur noch eins: egal. Das einzig motivierende Element, das NICHT die Menschen sind, mit denen man im Discord rumhängt, ist ebenfalls vergiftet – die Fear Of Missing Out, erzeugt durch Timer, Seasons und ein Abomodell. 

Zusammengefasst wirkt alles irgendwie lieblos und aus der Zeit gefallen. WoW, wir hatten damals mal eine gute Sache am laufen und das hielt auch erstaunlich lange. Aber in 2022 kommen wir einfach nicht mehr zusammen. Ich hab mich verändert und du hast dich verändert und es funktioniert einfach nicht mehr.

Und eigentlich vermisse ich ja nicht dich, sondern damals.

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